Doz. Dr. Bernhard Angermayr

Pixabay
Lorem ipsum dolor sit amet
© Pixabay

Zöliakie & Glutenunverträglichkeit

Gleich vorweg: Ich rate von einer glutenfreien Ernährung ohne ärztliche Diagnose bzw. Empfehlung ab, auch wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen diese Ernährung guttut. Dieses Gefühl ist ein eindeutiger Grund, sich gatroenterologiscg abklären zu lassen, da auch bei anderen Verdauungskrankheiten (z.B. Morbus Crohn/Colitis ulcerosa) eine glutenfreie Ernährung als angenehm empfunden wird. Man muss aber nicht einmal krank sein, um sich durch glutenfreie Ernährung besser zu fühlen. 

Etwa 0,6-0,7% der Bevölkerung in Österreich leidet an einer Zöliakie, wobei viele die Erkrankung haben, ohne davon zu wissen. Bei Zöliakie reagiert das Immunsystem auf den Getreideinhaltsstoff Gluten, indem die Dünndarmzotten entzündet oder sogar zerstört werden. 

Die Beschwerden bei Zöliakie sind extrem unterschiedlich: Sie reichen von Bauchschmerzen, Durchfall und Gewichtsverlust bis zu erhöhten Leberwerten, Blutbildveränderungen, Eisenmangel, Hautausschlägen bis zu unerfülltem Kinderwunsch. Die Abklärung  besteht aus einer Blutabname und bei begründetem Verdacht aus einer Magenspiegelung mit Gewebeprobeentnahme aus dem Zwölffingerdarm. Diese Gewebeprobe sende ich dann an unser eigenes pathologisches Institut an Prof. Oberhuber, der ein absoluter Spezialist für die Diagnostik der Zölikaie ist. So ist die akutelle international gebrächliche Klassifikation der Erkrankung von ihm entwickelt (die sogenannte Marsh-Oberhuber Klassifikation).

Eine streng glutenfreie Diät ist die Therapie der Erkrankung. Auch wenn man Sie einhält ist es sinnvoll, in regelmäßiger gastroenterologischer Betreuung zu bleiben. Bezüglich Ernährung und Küchenhygiene geistern im Internet viele übertriebene Empfehlungen herum. Glauben Sie nicht alles!

 

Die Glutenunversträglichkeit (Glutensensitivität) ist eine völlig andere Erkrankung: Hier reagiert das Immunsystem nicht mit einer Entzündung/Zerstörung der Dünndarmzotten, sodass die Erkrankung nicht mittels Gewebeprobe oder Bluttest diagnostiziert werden kann. Diese Erkrankung ist eine Ausschlussdiagnose: Sämtliche anderen Verdauungserkrankungen müssen ausgeschlossen werden, danach erfolgt eine diätologisch begleitete glutenfreie Diät für einen gewissen Zeitraum.